Knapp 100 Sender… Oktober 22, 2006
Posted by Jan-Hendrik in Life.trackback

…und doch wieder nur Schrott in der Glotze. Einmal mehr bewahrheitet sich also der Spruch: Mehr muss nicht immer besser sein – besonders wenn es dabei ums Fernsehen geht. Denn während in Deutschland schon bei etwas mehr als 30 Sendern im regulären Kabel viel minderwertige TV-Kost über den Bildschirm flimmert, steigert sich das ganze hier zu einem Trash-Marathon auf 70 bis 100 Kanälen.
Man könnte jetzt einwenden, dass einen ja niemand zwingt den Mist zu sehen. Muss man aber auch gar nicht. Denn um angepisst zu sein reicht es vollkommen aus, durch die vollen 95 Kanäle zu zappen – nur um am Ende den Kasten doch wieder auszuschalten, weil nix interessantes läuft.
Auch hier könnte man natürich wieder sagen: Dann lass es doch einfach sein. Doch das ist nicht so einfach wenn man ausnahmsweise unbedingt mal etwas sehen will. Zum Beispiel das Formel-1-Saisonfinale in Brasilien. Bei so einem nicht gerade unbedeutenden Sport-Event könnte man ja davon ausgehen, dass sich einer der 95 Sender erbarmt und den paar Fans unter den größtenteils desinteressierten Amerikanern wenigstens das Rennen zeigt. Aber nix da. Jedenfalls hier am Campus. Denn zwar gibt es das Rennen auf einem Pay-TV-Sender – aber den Sender leider nicht in dieser Gegend…
Was bleibt einem da übrig? Das Internet. Also schnell mal alle möglichen Ticker und Zeitentafeln auf den Schirm geholt und die Übertragung eines chinesischen Sportsenders angezapft. Dummerweise hatten wohl noch unzählige andere User diesen Gedanken – entsprechend stockend war die Übertragung. Macht nix, war dennoch spannend…



Kerpen. 17:15 Uhr. Der Sanitätswagen steht bereit. Ob für die Kicker, die vom Fußballplatz kommen, die Minigolfer auf dem Gelände gegenüber, für die Besucher der nahegelegenen Kirmes oder doch für die Fans in der Jahnhalle bleibt ein ungelüftetes Geheimnis.
17:20 Uhr. In der Jahnhalle. Gedrängel. Kabelsalat. Stative. Kamerateams. Achja, und Fans. Hunderte, ja. Tausende, nein. Die Jahnhalle ist klein.
17:27 Uhr. Vor der Bühne angekommen. Clever gemacht. Meine Kollegin in rotem Shirt ist im Meer von in Overalls gekleideten Schumi-Anhängern abgetaucht.
17:31 Uhr. Emotionen, wo bleiben die Emotionen? Hier ein Maskottchen, da ein komplizierter Aufbau. Statisch. Wo ist die Bewegung? Da ist sie – eine Fahne wird geschwenkt.
17:40 Uhr. Nach geschätzten zwei Stunden in der Maske hat auch er es geschafft – der Fan mit auf den Kopf gemaltem Schumacher-Helm. Schnell das Kameralicht von XYZ schmarotzt und einmal das Kunstwerk gefilmt.
17:43 Uhr. Buhrufe und gellende Pfiffe. Ich muss mich gar nicht umdrehen, um zu wissen, wessen Konterfei gerade auf der Großbildleinwand präsentiert wird. Plötzlicher Stimmungsumschwung, tosender Jubel. Da sind sie – die Emotionen. Und da ist er: der Michael.
17:47 Uhr. Noch ein Blick von der Empore auf Fans und Leinwand geworfen. Dann war es das leider auch schon mit Kerpen. Die Tagesproduktion steht an. Wird sowieso eine Abend- bzw. Nachtproduktion.
Mittendrin und doch prompt so fern, dass ich nicht einmal eine Runde des letzten Rennens am Stück mitbekommen hätte. Also, lieber Jan, manchmal ist das Internet doch näher als man denkt. Selbst dann, wenn sich das viele zugleich bei einem chinesischen Sportsender denken